Um dem kargen Boden der Insel "Santiago" ein paar kümmerliche Pflänzlein abzuringen, bedarf es der Gerissenheit eines Vielspielers, so wie der Autor selbst einer ist. In seinem Erstlingswerk stellt er uns vor die schwierige Aufgabe, zusammenhängende Plantagen anzulegen und durch Bewässern vor dem Verdorren zu bewahren, wofür wir am Ende - je nach Plantagengröße und Zahl darauf befindlicher Ertragssteine - Punkte bekommen. Doch die glänzend strukturierten Regeln machen den Einstieg leicht: In jeder Runde decken wir entsprechend der Spielerzahl Plantagenplättchen auf und geben reihum genau ein Gebot ab. Bevor nun die Plättchen in Reihenfolge der Gebotshöhe ausgewählt und auf dem Spielplan verteilt werden, wird der mit dem niedrigsten Gebot zum "Aufseher", wodurch
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er bei der Bewässerung ein entscheidendes Wörtchen mitzureden hat. Ohne Wasser ist es nämlich schlecht um unsere Pflanzungen bestellt, und nur dem Aufseher obliegt die Entscheidung, wohin der einzige neue Kanal der laufenden Runde gebaut wird. Wir anderen haben nur Vorschlagsrecht, und was folgt, würde man in der wirklichen Welt wohl Korruption nennen. Hier dagegen wollen wir unsere finanziellen Zuwendungen an den Aufseher bloß als kleine Entscheidungshilfe verstanden wissen, mit der wir ihn - taktisches Gespür vorausgesetzt - im übrigen gehörig in die Bredouille bringen können. Will er nämlich selbst den Kanalverlauf bestimmen, muss er das höchste Bestechungsangebot aus eigener Tasche überbieten - was vielleicht noch gemeiner ist, als ihm durch strikte Gebotsverweigerung bloß sein Zubrot zu nehmen. Ein originelles, thematisch belebendes Element in einem abstrakten Plan- und Rechenspiel für Strategen, das auch grafisch vornehme Zurückhaltung übt.
© 2004
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