Schon von ferne sichtbar hing Unheil verkündender Rauch über dem namenlosen Gehöft irgendwo in der Westfold. Wie überall in Mittelerde legten die marodierenden Orks auch hier, nahe der Pforte von Rohan, alles in Schutt und Asche, was ihnen im Weg stand. Doch dieses Mal wurde ein versprengter Trupp der Reiter von Rohan Zeuge des Gemetzels. Kurz entschlossen gaben sie ihren Pferden die Sporen, um vielleicht noch ein paar derer zu retten, die in dem brennenden Hof in der Falle saßen. Jetzt zählte jede Sekunde, denn schon formierten sich Sarumans blutrünstige Uruk-Hai für den Kampf... Beim zweiten Tabletop zur Herr der Ringe-Trilogie brauchten die Spieldesigner nicht mit angezogener Handbremse zu arbeiten: Gab der erste Film unter den strengen Lizenzvorgaben von New Line Cinema noch wenig her für wirklich epische Schlachten en miniature, so konnten sie hier aus dem Vollen schöpfen. "Der Herr der Ringe: Die zwei Türme - Das Tabletop-Strategiespiel zum Film" übertrifft den Regelumfang seines Vorgängers um satte dreißig Seiten und
|
schließt mit knackigen Regeln für Kavallerie, erweiterten Armeelisten und einem Kapitel über Belagerungen jede, aber auch wirklich jede noch verbliebene Lücke, so dass selbst ein realistisches "Helms Klamm"-Szenario in greifbare Nähe rückt. Die Spielbarkeit ist dabei wie beim "Die Gefährten"-Tabletop ausgezeichnet, und das bewährte Heldenpunktsystem ergibt mit den überarbeiteten Charakterprofilen eine perfekte Balance zwischen den Truppen der Finsternis und denen des Lichts - ganz gleich ob Aragorn, Saruman oder bloß ein namenloser Hauptmann unsere Plastikkrieger kommandiert. Die zwei Türme, Orthanc und Barad-dûr, sind natürlich nicht enthalten; sie hätten auch gar nicht mehr gepasst: Das Regelbuch, 32 fein detaillierte Kunststoffminiaturen der Uruk-Hai und Reiter von Rohan sowie eine Gebäuderuine füllen die nicht gerade kleine Schachtel bis zum Rand. Aber immerhin gibt es im Regelbuch schonmal einige durchaus ernst gemeinte Anregungen für einen maßstabsgetreuen Eigenbau der Feste von Helms Klamm, dem Hauptschauplatz des Films. Auf Basis von nur zwei Seiten Grundregeln sind der Fantasie mit diesem Spiel jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Und mit den separat erhältlichen Figurensets steht die Tür für endlose Abenteuer in Tolkiens Mittelerde sperrangelweit offen. © 2002
|