Neuer Film, neues Spiel, so einfach ist das Marketingdiktat, erst recht beim "Herrn der Ringe", wobei zu bemerken wäre, dass sich dieses zweite "Spiel zum Film" wie schon das erste eher an jene richtet, die nicht unbedingt gewohnheitsmäßig zum Spiel greifen, ihnen aber deutlich mehr abverlangt, nämlich Denken. "Die zwei Türme" gibt's darin, leibhaftig: jeweils rund zehn Zentimeter groß, stecken wir Barad-Dûr und Orthanc aus Kartonteilen zusammen und stellen sie an gegenüberliegenden Spielplanecken auf, wo sie zum einen ziemlich gut aussehen und zum anderen ziemlich viele Orks auf das Feld spucken. Sollten die sich vereinen, wäre Mittelerde verloren, deshalb ist es unsere Aufgabe, das zu verhindern, schließlich sind wir die Guten, und weil wir so gut sind, tun wir das gemeinsam. Je nachdem, welche Heldenkarten uns der Kartenstapel bringt, ziehen wir auf dem Spielplan von Brennpunkt zu Brennpunkt, um entsprechend unserer Kampfeskraft die Orks zu schlagen. Das sind bestenfalls drei, vier Stück pro Runde, deshalb sollten wir
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in unserem eigenen Interesse zusammenarbeiten und ab und zu die "Zange" ansetzen: Stehen zwei Helden in gerader Linie, sind alle Orks in ununterbrochener Reihe dazwischen des Todes und wir teilen uns die Punkte. Um die zu behalten müssen wir aber die heranrückenden Orks so lange auf Distanz halten, bis der Rundenmarker das erlösende Zielfeld erreicht. Versagen wir dabei, ist auch das dickste Siegpunktkonto wertlos und das Schicksal von Mittelerde besiegelt. Der Stimmung halber gibt es auch das eine oder andere Ereignis aus dem Film, was mal uns und mal dem Bösen einen Vorteil beschert, sich aber insgesamt nicht allzu gravierend auf das Spielgeschehen niederschlägt. Und so soll es auch sein: Ob wir die Mächte der Finsternis besiegen hängt vor allem davon ab, ob wir kooperieren anstatt allein auf Punktejagd zu gehen. Das bringt außerdem Interaktion ins Spiel, denn der erschreckend zahlreiche Orknachschub verlangt stets nach sofortiger Diskussion, wo denn der Einsatz unserer Helden am dringlichsten wäre. Ein bißchen Taktik, etwas Glück, viele Filmbilder und ein gepflegtes Miteinander - genau der richtige Mix, um den Griff zum Spiel vielleicht doch noch zur Gewohnheit zu machen. © 2002 |