Müll + Money

Abfall und Geld in einem Atemzug? Na, wenn das nicht wieder eines jener Spiele ist, mit denen man uns zu bewußteren, besseren Menschen erziehen will. Mit vor Anstrengung knirschenden Zähnen unterdrücken wir den Fluchtreflex angesichts des drohend erhobenen Zeigefingers - eine Spätfolge zahlloser pädagogisch wertvoller Spiele aus den Achtzigern - und sehen uns die Sache genauer an. Als Wirtschaftskapitäne sitzen wir vor unseren Unternehmenstableaus, auf denen wir über unsere Fortschritte auf den Gebieten der Rationalisierung, Rohstoffvorhaltung und Müllreduzierung Buch führen; schön übersichtlich dargestellt als Fabrikgebäude mit drei Steckreihen für die Markierungszylinder. Rechts der Fabrik enthält ein Silo unsere Rohstoffe und im Keller lagern wir den Müll. Einer nach dem anderen wählen wir nun aus der offenen Auslage einen Kartenstapel, um damit Aufträge an Land zu ziehen, Rohstoffe
einzukaufen, Berater zu verpflichten und anderes mehr. Dabei bleibt immer das nagende Gefühl, wir hätten vielleicht doch besser einen anderen Stapel gezogen, denn die optimale Kartenmischung findet man fast nie. Schaffen wir es aber, die Personalkosten durch Entlassungen zu reduzieren und trotzdem flexibel auf die Auftragslage zu reagieren, stehen wir, und das war zu befürchten, vor dem nächsten Problem: Wohin mit dem Müll? Mit jedem Auftrag füllt sich unsere Deponie, und wehe, wir lassen uns bei einem Störfall mit dem Marker im roten Bereich erwischen. Dabei ist die Versuchung groß, den Dreck einfach zu ignorieren, denn zur Müllreduzierung müssen wir eine der kostbaren Karten verbrauchen. Doch wenn schon sonst nichts, so lehrt uns spätestens die Höhe der drohenden Konventionalstrafe die Ehrfurcht vor der Natur. So halten wir alle unseren Laden schön sauber, greifen höchstens in Augenblicken der Schwäche zur Bestechung und merken irgendwann verblüfft, dass wir nicht nur etwas über nachhaltiges Wirtschaften lernen, sondern dabei auch noch Spaß haben. Und das ist wirklich mal eine schöne Überraschung. © 2002

Für 2 bis 4 von Jürgen Strohm und Franz Vohwinkel (Grafik) bei Hans im Glück.


schön


Wertung:
Die Skala reicht von super (6 Raketen) über schön (5 Raketen), nett (4 Raketen), geht so (3 Raketen), bescheiden (2 Raketen) bis daneben (1 Rakete).

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