Manila

Eine "interaktive Spielregel" ist nicht zwangsläufig ein Fortschritt. Vor allem dann nicht, wenn sich die Interaktivität im Ein- und Ausschalten eines dreißigminütigen Lehrfilms erschöpft und beim Versuch, die Dauer-Musikberieselung abzuschalten, ein Punkmusik-Video beginnt. Zum Glück liegt "Manila" auch ein richtiges Regelheft bei, mit bunt bedruckten Seiten aus Papier. Und aus dem lernt man mindestens genauso schnell, worum es hier geht: Im 19. Jahrhundert herrscht reger Seehandel zwischen den Philippinen und dem asiatischen Festland. Doch im Schatten der spanischen Kolonialherren betreibt finsteres Gelichter seine halbseidenen Geschäfte. Da sind wir natürlich mit von der Partie, und völlig zu Recht heißen unsere
Spielfiguren darum hier "Komplizen". Die platzieren wir für ein Schmiergeld überall dort, wo es etwas zu holen gibt: Auf mit Waren beladenen Booten, im Hafen, an der Lotsenstation, auf der Werft oder im Versicherungsbüro gleich nebenan. Dabei sind Zockerqualitäten gefragt, denn wo es Punkte gibt, entscheidet die Reihenfolge der Boote im Ziel. Mit dem Würfel bewegen wir sie deshalb möglichst dorthin, wo unsere eigenen Komplizen zur Stelle sind und platzieren die wiederum dort, wo wir ein Boot erwarten. Sogar eine Piratenbande könnten wir bilden. Die aber verharrt so nutz- und tatenlos am Rande des Fahrwassers, daß ihr nur ein Wunder ein Boot in die Hände spielen kann - ein fast nutzloses Spielelement, das sich schlecht in das sonst fein verzahnte Zocken und Mauscheln fügt. Für ein spekulatives Handelsspiel ist der Mix aus Planung und Glück zu unausgewogen. Für einen doppelbödigen Zeitvertreib in fernöstlichem Ambiente genügt er. © 2005

Für 3 bis 5 ab 10 Jahren von Franz-Benno Delonge und Victor Boden (Grafik) bei Zoch (089/5205740) für 30 €.


nett


Wertung:
Die Skala reicht von super (6 Raketen) über schön (5 Raketen), nett (4 Raketen), geht so (3 Raketen), bescheiden (2 Raketen) bis daneben (1 Rakete).

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