In der öffentlichen Wahrnehmung läuft das Einsteinjahr dem 100. Todestag von Jules Verne klar den Rang ab, aber ganz vergessen hat man den französischen Visionär dann doch nicht: Auf den Spuren eines seiner berühmtesten Romane schickt uns Michael Rieneck "In 80 Tagen um die Welt". Unterwegs kommt es in zehn Etappen darauf an, daß wir die nostalgische Karte unseres Planeten möglichst schnell mit Zug- oder Schiffskarten überqueren. Je niedriger deren Wert, desto weniger Reisetage müssen wir auf ein Teilstück unserer Weltumrundung verwenden. Dabei dürfen wir uns von einer seltsamen Eigenart dieses Spiels nicht verwirren lassen, denn der, dessen Spielfigur als erste London erreicht, ist noch lange nicht Sieger. Auch nachfolgende Spieler können gewinnen, wenn sie für dieselbe Strecke auf der Zählleiste weniger Reisetage verbrauchen! Nur wer als letzter
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das Ziel der Reise erreicht oder die Reisezeit überschreitet, für den ist das Rennen gelaufen. Da wäre es schön, auf der einen oder anderen Etappe mit Ereigniskarten Zeit zu sparen, doch zwei Ereignisse schieben deren planvollem Gebrauch einen Riegel vor: Das "Unwetter" und die "Verzögerung" machen uns wie den Romanfiguren das Leben schwer und kosten uns außer kostbarer Reisezeit alle mühsam gesammelten Ereigniskarten. Werktreue in allen Ehren: Jeder Ausreißversuch in Richtung Ziel bleibt dadurch in den Startlöchern stecken, und ob man eine Ereigniskarte zur rechten Zeit bekommt bleibt allein eine Frage des Glücks. Ein treibendes Element unserer Reise wird so seiner Wirkung beraubt, und bis zum Schluß bleiben deshalb alle dicht beisammen - bis auf der Zielgeraden nach über einer Stunde schließlich wieder Kartenglück entscheidet. Selbst für ein Familienspiel ist das etwas mager und als Lohn für die lange Reise zu wenig. Und ist dem Gedenken an den Romancier auch genüge getan - gerecht geworden ist man ihm nicht.
© 2005
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