Es ist das Jahr der Neuauflagen, nur merkt man es mitunter nicht auf Anhieb, weil sich Altbekanntes unter neuem Namen zurück auf unseren Spieltisch schleicht. Auch Edel, Stein & Reich ist bloß ein Wiedergänger, wenngleich straffer und geradliniger als sein alter ego "Basari". Auf Edelsteinbörsen sind wir unterwegs, um durch Schachern mit Klunkern Profit zu machen. Allerliebst sind diese Steinchen, wie sie da in bunten Plastikfarben funkeln, und allerliebst auch die Banknoten im Miniaturformat. Gestartet wird zwar ohne Geld, denn das gilt es als Siegpunkte zu sammeln, wohl aber mit einer Grundausstattung aus zwölf Diamanten in vier Farben, sprich: Werten; der Rest liegt als Vorrat in der Mitte. Um an die heranzukommen, brauchen wir uns nun nicht mehr durch imaginäre Geschäfte zu würfeln, sondern regeln was zu regeln ist allein mit Karten - und zwar gleichzeitig und geheim: Jeder entscheidet sich für eine Ereignis-, Geld- oder Edelsteinaktion und harret der Dinge, die da kommen. Wollen nur wir eine bestimmte Aktion, bekommen wir sie auch; will sie außer uns noch jemand anders, müssen wir mit Edelsteinen drum feilschen. Wollen sie gleich drei oder mehr, ist sie für alle verloren - was übel ist, denn
|
jede Aktion ist wichtig und bringt Diamanten, Geld oder einen Bonus für die nächste Wertung. Die folgt am Ende jedes Durchgangs, nach dreimal sechs bis acht Runden, und lässt sie auch länger auf sich warten, als dem Spielersitzfleisch lieb sein kann, kommt sie doch meist immer noch zu früh: Jetzt zählt nämlich in jeder Diamantenfarbe nur die Mehrheit und noch dazu das eine oder andere Ereignis. Alles übrige aber bleibt unberücksichtigt als Grundstock für den nächsten Durchgang liegen. Klar, dass da beim Feilschen stets die Furcht mitschwingt, zuviel zu bieten. Klar, dass deshalb über jedes Gebot gegrübelt wird, während die Mitspieler bloß dasitzen und sich wünschen, es ginge endlich weiter. Und dabei ist alles Grübeln letztlich vergebens, denn was nützen die kleinen Entscheidungen, wenn die große nicht in unserer Hand liegt? Jede Runde aufs Neue die Frage: Bekomme ich meine Aktion? Wer will das überhaupt noch wissen, wenn schließlich doch das Glück entscheidet? Alles ist genauso klar geregelt wie es vage bleibt in seinen Auswirkungen auf unser Tun. Durchgang um Durchgang schleppt sich zäh dahin, während wir feilschen, bluffen und taktieren, wie wir schon hundertmal ganz ähnlich gefeilscht, geblufft und taktiert haben. Hübsch anzusehen mag das sein, dazu einfach und klar strukturiert. Aber nötig gewesen wär's nicht. © 2003
|