Der Kreis schließt sich: Frei nach Rebecca Gablés Roman um "Die Siedler von Catan" versetzt uns "Candamir - Die ersten Siedler" als Spiel zum Buch zum Spiel zurück an den Anfang allen Siedelns. In der Frühgeschichte unserer Lieblingsinsel erleben wir die Kolonisierung aus der Sicht eines einfachen Siedlers und schaffen uns als Neuankömmling eine Existenz, indem wir den ersten seßhaften Bewohnern des Landes alles besorgen, dessen ein Pionier anscheinend bedarf: Rinder, Bergziegen, stoffgefütterte Truhen, Pergament und das eine oder andere Renaissance-Florett. Dafür schenken sie uns Siegpunktsteine, doch nicht jedes gewünschte Gut finden wir auf unseren Streifzügen durch das quadratgerasterte Land aus Wiesen, Wäldern, Flußauen und Bergen. Manches müssen wir in alter Siedlermanier aus Rohstoffkarten zusammentragen. Anderes erhalten wir für bestandene Abenteuer. Pergament etwa erfordert in geschmackloser Unzweideutigkeit die Haut unglücklicher Bären,
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die wir auf unseren Streifzügen erlegen. Doch solche atmosphärisch gemeinten Details zeigen, daß dieses Spiel mehr sein will als ein Siedler-Klon; es will Brücken schlagen zwischen dem Brettspiel von heute und heroischen Fantasy-Abenteuern der achtziger Jahre. Hier wie dort begegnen uns typische Rollenspielelemente wie die individuellen Spielercharaktere, auf deren Fertigkeiten wir würfeln. Und hier wie dort bahnen wir uns einen Weg durch verdeckte Kärtchen, deren jedes uns mit vier Richtungspfeilen vor die Wahl stellt, uns auf direktem Weg zum frei gewählten Ziel zu begeben oder auf weniger gefahrvollen Umwegen. Anders als früher erdrückt jedoch eine Tonnenlast spielmechanischer Finessen jeden Anflug von Atmosphäre, und die ungelenke Grafik tut ein Übriges: mal digital unterkühlt, mal naiv bis unfreiwillig komisch lenkt sie die Aufmerksamkeit von der dünnen Story ab anstatt sie zu unterstützen. Mag "Candamir" als Taktikspiel auch zu gebrauchen sein: Sein Rollenspielaspekt muß im Vergleich zu reinrassigen Fantasy-Abenteuern verblassen, bei denen es mehr zu erleben gab als ein rechtschaffen' Tagewerk in der Götter freier Natur.
© 2005
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