Oh nein, nicht schon wieder Venedig, das muss doch mal ein Ende haben... Da ist sie wieder, die Stadt auf Stelzen, die wie kaum eine andere herhalten muss, wann immer sich ein Spiel um Macht und Einfluss dreht. Als ob da Köln nicht genau so gut funktionieren würde, oder Dachau, oder jede andere Stadt auf der Welt, in der Menschen Politik betreiben. Nun muss man Canal Grande allerdings zu Gute halten, dass es gar nicht anders kann als venezianisch. Es stammt nicht nur von den selben Autoren wie weiland "San Marco", sondern versteht sich als dessen Zwei-Personen-Variante; auf der Regeln Kern reduziert und zum Kartenspiel verschlankt: Bezirke sind darin zu erobern, also an sich zu bringen und offen auf den Tisch zu legen. Dazu agieren wir abwechselnd als "Verteiler" und "Bestimmer", wobei einer acht Aktions- und Zahlenkarten zu zwei Angeboten kombiniert, zwischen denen der andere wählen darf. Mit diesen Karten treiben wir das Spiel voran, indem wir Bezirke sammeln, uns mit Sonderkarten verschiedene Vorteile verschaffen oder Abstimmungen auslösen, während die Zahlenkarten den Countdown für das Rundenende markieren: bei zehn ist Schluss und die geringere Summe bringt einen
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Bonus. Der ist nun aber nicht so groß, dass wir darüber das Wesentliche aus den Augen verlieren sollten, nämlich das Abstimmen. Enthält unser Kartenangebot einen Dogen, schreiten wir in einem Bezirk unserer Wahl zur Wahl, was nichts anderes bedeutet, als dass wir ihn gegen unseren Mitspieler zu ersteigern versuchen: Wir bieten einen Bezirkskarte, der Gegner muss mit gleichartigen Karten überbieten. Kann einer von uns nicht mithalten, darf er auch andere Bezirke einsetzen - so lange er eine Gondelkarte besitzt, denn irgendwie muss man das Stimmvieh ja auch an die Urnen verfrachten. Wer den Zuschlag bekommt, packt den Bezirk in seine Auslage, ist aber bis auf diese eine Gebotskarte alle anderen quitt. Der Unterlegene behält dagegen alle bis auf eine, weshalb wir im Hinblick auf später besser vermeiden, die Abstimmung zur Materialschlacht degenerieren zu lassen. Enthält unsere Auslage schließlich eine Karte aus jedem Bezirk oder vier Stück aus ein und demselben, sind wir - zum wie vielten Mal eigentlich? - Herr über Venedig. Das allein lockt natürlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, und so vergessen wir das Thema, das so ausgenudelt ist wie kaum ein anderes, und erfreuen uns an dem, was dahinter steckt: solider Taktiererei, griffig verpackt, für Strategen mit Hang zum Zocken. Passt schon. © 2003
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