Fußnoten. Man will seinen Augen nicht trauen, aber tatsächlich: Da stehen Fußnoten, fast zwei Seiten lang, woran man unschwer erkennt, daß "Augsburg 1520" kein Spiel für jedermann ist. Es zielt auf - nicht zu unrecht so genannte - Freaks, denen es gar nicht komplex genug zugehen kann. Elf Seiten klein gedruckter Regeln sind in stundenlangem Studium zu bewältigen, bevor ans Anfangen überhaupt zu denken ist. Dann aber verläuft das Spiel schnell in geordneten Bahnen. Nach dem Motto "Du bist Jakob Fugger!" schlüpfen alle zugleich in die Rolle des berühmten Augsburger Handelsfürsten, einer offenbar multiplen Persönlichkeit, mit deren zwei bis fünf Egos wir miteinander in den Wettstreit um das höchste Ansehen treten. Zu diesem Zweck verleihen wir Geld gegen Schuldscheine an fünf Adlige auf dem Plan. Von ihnen erhalten wir Privilegien, die uns Prestigepunkte für die Endabrechnung bringen,
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ein regelmäßiges Einkommen verschaffen oder uns den Bau von Domen und Kirchen erlauben. Die wiederum brauchen wir nicht nur zum Ermitteln des Siegers bei Prestigegleichheit am Schluß. Sie gestatten uns überhaupt erst, bestimmte Punkteschwellen auf der Prestigeleiste zu überschreiten. Mit für teures Geld erkauften Schuldscheinen - Zahlenkarten mit dem Konterfei eines Aristokraten - ersteigern wir also Privilegien, indem wir eine beliebige Anzahl Schuldscheinen bieten, deren Wert zunächst keine Rolle spielt. Reihum können die Mitspieler nun passen, erhöhen oder halten - ein selbst abgegebenes Gebot darf man jedoch nur dann erhöhen, wenn es von anderen Spielern zuvor überboten worden ist. Wird es bloß gehalten, entscheidet unter allen höchstbietenden die Karte mit dem höchsten Einzelwert. Das kann durchaus spannend sein, wenn man wenigstens ab zu eine ausreichend hohe Karte hat. Oder wenn es gelingt, den Zuschlag mit einer Flut minderwertiger Karten zu erzwingen. Oder wenn man Komplexität im Spiel als Wert an sich genießen kann. © 2006
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