Was ein halbes Stündchen nach Mitternacht auf Hamburgs Vergnügungsmeile so alles geboten wird, wissen wir spätestens seit Hans Albers. Dank Reiner Knizia erfahren wir jetzt aber auch, was "Auf der Reeperbahn nachts um halb zwei" geschieht: Zwei Kneipiers auf gegenüberliegenden Seiten einer Straße buhlen mit Zahlenkarten in den entsprechenden Farben um die Gunst der berühmtesten Nachtschwärmer der Stadt. Wer es schafft, die Rote Lola oder den blonden Hans in sein Etablissement zu holen, hat die besten Chancen, mit Brilli-Lilli oder Schampus-Charly die zahlungskräftige Kiez-Prominenz anzulocken und so das Spiel für sich zu entscheiden. Aber das ist nicht ganz einfach. Wie beim Tauziehen gelingt es mal dem einen, mal dem anderen Spieler, durch Ausspielen passender Karten die entsprechende Spielfigur auf seine Hälfte des siebzehn Felder langen Plans zu ziehen.
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Betreten Lola oder Hans eine Kneipe, bewegt sich auch Schampus-Charly ein Feld weit darauf zu. Bei Brilli-Lilli gestaltet sich der Fall etwas komplizierter. Sie bleibt immer zwischen ihren beiden Leibwächtern, die wir darum stets mitbewegen müssen. Auch bei den übrigen Figuren sind einige Besonderheiten zu beachten. So kann man etwa auf das Ausspielen von Karten verzichten, um eine Spielfigur - angezogen von seiner Akkordeonmusik - zum blonden Hans zu bewegen. Abgesehen von einem Schuß Kartenglück hängt unser Erfolg bei diesem nächtlichen Hin und Her also vor allem von unserem taktischen Geschick ab. Dabei erweist sich der Spielmechanismus als so verkopft, daß die Atmosphäre des liebevoll in Szene gesetzten Straßenmilieus - wenn man das Wort in diesem Zusammenhang verwenden will - verpufft. Übrig bleibt ein minutiös durchkonstruiertes Taktikspiel, ein hochkomplexer Regelreigen, wie man ihn von einem Mathematiker wie Reiner Knizia erwartet. Wenn auch nicht unbedingt auf der Reeperbahn. © 2006
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