Schon die Brettspielversion eines der erfolgreichsten deutschen Computerspiele erinnerte an "Die Siedler von Catan", die ja von demselben Autor stammten. Wo aber "Anno 1503" fast verstohlen mit dem Hinweis auf "Catan-Autor Klaus Teuber" warb, da zielt das Kartenspiel "Anno 1701" mit einer fett gedruckten Banderole ganz unverhohlen auf die Siedler-Klientel. Warum auch nicht, sind doch Regelwerk und Spielgefühl dem Siedler-Kartenspiel aufs Engste verwandt. Wo früher jedoch die Pioniere in höchsten Ehren standen, da zählen Kaufleute jetzt mehr. Ausgehend von den zwei Gebäuden unserer Siedlung erwirtschaften wir mit Hilfe der Würfel von Runde zu Runde die Rohstoffe, die wir zum Ausbau unseres Gemeinwesens brauchen. Anders als bei "Anno 1503" dürfen wir dabei nach bester Siedler-Manier miteinander tauschen, was das interaktive Spielvergnügen bringt, das dem Brettspiel so sehr fehlte. Und genau wie beim Siedler-Kartenspiel hilft uns jedes
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neu errichtete Gebäude dabei, an weitere Rohstoffe und andere Vorteile zu gelangen. Über unsere Aufbauarbeit an Land hinaus gilt es hier jedoch zusätzlich auf hoher See zu bestehen. Denn um in der Gunst der Königin am Ende am höchsten zu stehen, müssen wir hinausfahren und Handel treiben. Nur auf Handelsfahrten erhalten wir aus einem separaten Kartenstapel den Tabak und den Rum, durch den wir vom Pionier zum Kaufmann - und so zum Günstling der Königin - aufsteigen. Das erzeugt Spannung, wie es sie beim Siedler-Kartenspiel nicht gab. Bei jeder Seefahrt fiebern wir aufs Neue, ob der Kartenstapel die ersehnten Waren oder eine Begegnung mit Piraten bringen wird, vor denen uns auf Dauer nur der Ausbau unserer Handelsflotte schützt. Doch diese epische Breite hat ihren Preis. Nur langsam - anfangs beinahe zäh - wächst unser Punktekonto an. Eineinhalb Stunden und mehr kann es deshalb dauern, bis die Siegbedingungen erfüllt sind. Auch wenn das sicher nicht jedermanns Sache ist: Abendfüllende Unterhaltung findet man bei einem Kartenspiel nicht so oft.
© 2007
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