Mit dem Plastikmodellbau ist es ein bisschen wie mit der Modelleisenbahn: Dem Hobby fehlt der Nachwuchs, die Bastler werden immer älter, und wer als Hersteller von Hobbyzubehör im Geschäft bleiben will, muss seine Klientel um neue Käuferkreise erweitern. Zum Beispiel um die Tabletopspieler, zu deren Hobby immer auch Modellbau dazugehört, weil Figuren bemalt, Fahrzeuge gebaut und Landschaften gestaltet werden wollen. Italeri macht darum aus der Not eine Tugend und erweitert sein riesiges Sortiment an Militärmodellen um ein passendes Miniaturenspiel: "Alzo Zero: Operation Overlord" ist der Auftakt zu einem im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Tabletop-Spielsystem für taktische Infanteriegefechte mit Modellfahrzeugen und Miniaturen im Sammlermaßstab 1/72.
Umfangreiche Ausstattung
Fast alles, was man zum Nachspielen der Landung in der Normandie braucht, die bei den Alliierten den Codenamen "Operation Overlord" trug, steckt in der großformatigen Schachtel: je 50 deutsche und US-amerikanische Infanteriefiguren, zwei detaillierte Panzer-Modellbausätze (M4 "Sherman" und Panzer IV), dazu Gefechtsfeldzubehör wie Sandsäcke, Ölfässer und weiteres Material für selbstgebastelte Barrikaden sowie zwei Sätze Befehlskarten und acht zehnseitige Würfel. Darüber hinaus braucht man bloß noch ein Bandmaß und ein geeignetes Spielfeld von gut einem Quadratmeter Fläche, am besten reichlich ausgeschmückt mit Gebäuden im passenden Maßstab und Modellbahn-Landschaftszubehör.
Kartenbasiertes Spielsystem
Im Spiel dreht sich alles um Karten. Jeder Spieler verfügt über einen Satz Befehlskarten verschiedener Zahlenwerte, die in absteigender Reihenfolge ausgespielt werden. Die Art der Karte gibt in jeder Runde den Auftrag für eine Einheit auf dem Spielfeld vor: Gezieltes Feuer, Hinterhalt, Unterdrückungsfeuer, Bewegen oder Stürmen. Liegt für jede Einheit eine Karte auf dem Tisch, werden die Befehle jedoch in umgekehrter Zahlenfolge ausgeführt.
|
Weil man also beim Ausspielen der ersten Karten nicht wissen kann, was der Gegner noch alles in petto hat, ergibt sich so manche überraschende Wendung - und nicht immer sind die Spieler als Befehlsgeber auch wirklich Herr der Lage. Doch man muss sich schon ein bisschen mit der Ausrüstung seiner Figuren vertraut machen, um sie nahtlos ins Spielgeschehen einbinden und erfolgversprechend einsetzen zu können.
Verliebt ins Detail
Reichweite, Feuerrate und Trefferwurf variieren je nach verwendeter Waffe. Dazu kommen noch allerlei positive und negative Modifikatoren, die sich aus dem anvisierten Ziel ergeben. Danach wird anhand der verfügbaren Deckung ermittelt, ob eine Figur nur zu Boden geworfen oder getötet wird, wobei auch hier ein halbes Dutzend Modifikatoren zu beachten sind - unabhängig von den weiteren Sonderregeln für verschiedene Maschinenwaffen, Raketenwerfer, Mörser und was sonst noch alles in den Waffenarsenalen unserer Kunststoffkameraden schlummert. Umso einfacher sind die Nahkampfregeln für den Kampf Mann gegen Mann, die Regeln für Panik und Kampfmoral sogar fast simpel. Auch die Fahrzeugregeln sind vergleichsweise einfach gehalten und mithilfe einiger übersichtlicher Tabellen fix ins Spielgeschehen integriert. Nur die Waffeneffekte bremsen hier erneut mit übermäßiger Detailverliebtheit den Spielfluss. Da heißt es, sich vor dem Spiel gründlich mit allen Truppen und Fahrzeugen vertraut zu machen, damit das schnelle Gefecht nicht durch fortgesetztes Regelblättern zum Stellungskrieg erstarrt.
Fehler, Fehler, Fehler...
Obwohl sonst deutscher Generalimporteur von Italeri-Militärmodellen, führt Faller "Alzo Zero" nicht im Vertriebsprogramm. Über den Grund hüllten sich die Schwarzwälder Modelleisenbahn-Häuslebauer auch auf Nachfrage in Schweigen. Dabei wäre eine professionell produzierte deutsche Fassung bitter nötig, denn die vorliegende "Übersetzung" von Udo Grebe ist ein Desaster. Unmengen amateurhafter Rechtschreib- und Grammatikfehler und einige grobe Schnitzer im Textlayout verderben den Spaß an der Lektüre der eigentlich eingängigen Regeln, denen man von Herzen wünscht, dass sich ihrer jemand annähme, der die Regeln der deutschen Sprache nicht als unerträgliche Zumutung empfindet.
© 2008
|