Zvezda hat es mit Ring of Rule vorgemacht, Italeri ist mit Alzo Zero gefolgt: Immer mehr klassische Modellbauhersteller entdecken das Tabletopspiel als neue Chance, sich mit ihrem traditionellen Know How in einer veränderten Freizeitwelt zu behaupten. Auch Heller und Airfix wagen nun den Vorstoß in unerschlossene Spielgefilde. Mit Robogear schicken sie gemeinsam ein Science-Fiction-Tabletop ins Rennen um die Gunst einer neuen, jüngeren Zielgruppe.

„Überall geht der Modellbau stark zurück“, erklärt Heinz Engstfeld, Geschäftsführer der Heller Deutschland GmbH. „Ein schwindender Markt mit Kundschaft ab 40. Dann guckt man, was die junge Zielgruppe heute macht, und da sieht man, daß die Tabletopspiele spielen.“ Zwar ist schon eine Vielzahl konkurrierender Titel auf dem Markt, doch mit einer Altersempfehlung von acht Jahren zielt Robogear auf jüngere Zielgruppe als die Mitbewerber, was sowohl Regelsystem als auch Miniaturendesign konsequent widerspiegeln.

Robogear enthält in einer massigen Schachtel neben dem kompakten Regelheft, einer Fabrikruine und zwanzig gepanzerten Weltraumkriegern acht futuristische Fahrzeuge im Comic-Stil, mit denen sich – allerdings harmlose – Kunststoffprojektile verschießen lassen. Damit kann, wer will, beim Spielen ganz auf Würfel und Regeln verzichten. Pinsel und Farben runden das mit vierzig Euro vergleichsweise erschwingliche Grundspiel ab, dessen Einzelteile sich problemlos ohne Klebstoff zusammenstecken lassen sollen.
Flankierend zum Grundspiel sind schon die ersten Erweiterungssets mit neuen Fahrzeugen, Gebäuden und Truppen geplant. Über ein Computerspiel ist noch nicht abschließend entschieden, doch von Anfang an soll eine ambitionierte Website zum Spiel dabei helfen, eine lebendige Online-Gemeinschaft ins Leben zu rufen. Spezielle Verkaufsdisplays in den Gesellschaftsspiel-Abteilungen sollen für eine wirksame Präsenz beim Fachhändler sorgen.

Schon seit Juli wird Robogear, eine Lizenz der russischen Firma Technolog, in Großbritannien unter dem Airfix Label vertrieben. Die deutsch-französische Ausgabe folgt zur Nürnberger Spielwarenmesse im Februar – dann allerdings unter dem Heller Logo, denn nach Jahren unter einem gemeinsamen Dach gehen die beiden Traditionsunternehmen seit Juni wieder getrennte Wege.
Was sie nicht daran hindert, auch weiterhin eng zusammenzuarbeiten: „Wir wollen Spielwarengeschäfte, die sonst Games Workshop führen würden, für unser Produkt gewinnen“, erläutert Heinz Engstfeld. „Bei uns müssen die Händler auch keine Angst haben, daß wir plötzlich nebenan eine eigene Filiale eröffnen“, kann er sich einen Seitenhieb auf den britischen Marktführer nicht verkneifen. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Es sei denn natürlich , wir hätten einen besonders guten Job gemacht.“
Fotos © 2005 Monika Salz (4), Airfix (2), Logo © 2005 Heller
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