Spielonaut Spezial: Die Highlights der Nürnberger Spielwarenmesse
14.02.2005 [letztes Update 20.02.2005]
Wer noch nie auf der Spielwarenmesse war, macht sich keine Vorstellung davon, was es heißt, sich zwischen 2.747 Austellern (im Vorjahr 2705) aus 65 Ländern hindurchzunavigieren. Zwar entfällt in jedem Jahr nur ein kleiner Teil der Neuerscheinungen auf den Bereich der Gesellschaftsspiele, aber das ist immer noch genug, um einen kleinen Leitfaden durch den Angebotsdschungel geboten erscheinen zu lassen.
Und manche Neuheit ist ganz so neu dann doch nicht: 6 nimmt etwa, Expedition, Piratenbucht oder Alles im Eimer kennen wir in abgewandelter Form schon seit Jahren. Daß trotz mancher Weiderauflage und der schieren Masse echter Neuerscheinungen dennoch die Qualität des Angebots nicht leidet, dokumentieren immer wieder hochrangige Auszeichnungen. So erhielt Die Meisterdiebe von Zoch [links im Bild] den Innovation Award für das beste Teamspiel, während der Mumakil von Games Workshop - ein riesiger Kriegselefant aus Tolkiens Mittelerde - von den Lesern des Modell Fan zum Modell des Jahres gekürt wurde.
Zwar fehlten beim Messeauftakt im Unterschied zu früheren Jahren nationale Größen aus der Politik, doch dafür war die Landesprominenz umso zahlreicher in Nürnberg erschienen: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber mit Ehefrau Karin [Bild rechts] und Landesinnenminister Günther Beckstein machten sich vor Ort ein Bild von den Neuheiten und Trends der weltweit größten Fachmesse ihrer Art.
Erwachsenenspiele
Mit einem neuen Schachtelformat überrascht Alea: Louis XIV ist kleiner als ein großes, aber größer als ein kleines Spiel und stellt uns vor die immer wieder gern gesehene Aufgabe, am französischen Königshof zu Macht und Einfluß zu gelangen. Von Rüdiger Dorn für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren, ca. 20 €.
Als zweiter Titel der neuen Reihe im Zwischenformat ist Palazzo angekündigt. Details zum Spiel oder zum geplanten Erscheinungstermin liegen uns noch nicht vor. Von Reiner Knizia für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren, ca. 20 €.
Jeff Widderichs vielsprachige Ideenschmiede Cardchess International nimmt uns mit auf eine Reise ins Land der Tulpen und der Klompen, das wir in H2Olland von seiner wasserreichen Seite kennenlernen. Ein niederländischer Co-Autor sorgt für Authentizität. Von Jeff Widderich & Richard van Vugt für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren.
In etwas wärmere und vor allem trockenere Gefilde versetzt uns Stefan Dorra mit der diesjährigen großen Neuheit von Goldsieber. Auf Kreta verwenden wir unsere Aktionskarten darauf, die Vorherrschaft in den fruchtbarsten Provinzen der Insel zu erringen. Taktisch flexibel einsetzbare Spielsteine sollen uns dabei selbst in scheinbar aussischtsloser Lage eine Chance auf den Sieg lassen. Von Stefan Dorra für 2 bis 4 Spieler ab 11 Jahren.
Von Kreta reisen wir mit Hans im Glück auf direktem Weg weiter in den Nahen Osten, wo wir im Wettstreit miteinander die acht Weltwunder errichten. Der Turmbau zu Babel ist nur eines davon, und daß am Ende eines unvollendet bleibt mag daran liegen, daß wir zwargemeinsam bauen, aber gegeneinander spielen. Taktit á la Knizia. Von Reiner Knizia für 2 bis 5 Spieler ab 10 Jahren, ca. 30 €.
Wem nach soviel südlicher Sonne einer kleinen Abkühlung für Zwei bedarf, kann einen Ausflug in die Fjorde unternehmen. In dem Legespiel setzen hohe Berge unseren Expansionsgelüsten nat&uum;rliche Grenzen, weshalb es oft auf die am besten gelegenen Höfe und die fruchtbarsten Felder ankommt. Und so erinnert der hohe Norden dann wieder ein ganz kleines bißchen an Kreta. Von Franz-Benno Delonge für 2 Spieler ab 8 Jahren, ca. 18 €.
Anders als noch im Vorfeld der Spiel '04 war diesmal bis kurz vor der Messe gerade über die Kosmos-Neuerscheinungen kaum etwas an die Öffentlichkeit gedrungen. Umso überraschender die schiere Größe des Neuheitenpakets.
Nach Jahren gespannter Erwartung soll nun endlich Die Siedler von Catan 3D-Edition als Luxusausgabe in einer Holzschatulle erscheinen. Ein neues Schachtelformat bekommt das alte Alles im Eimer spendiert, das ansonsten gegenüber der Erstausgabe unverändert bleibt.
Auf Blue Moon-Sammler wartet mit Die Pillar ein neues Völkerset, während zwei Erweiterungen das Grundspiel regeltechnisch erweitern: Durch Gesandte brauchen die Decks in Zukunft nich mehr vorkonstruiert zu werden, während Inquisitoren den Spielprofis umgekehrt mehr Freiraum bei der Deckgestaltung läßt.
Mit James Rizzi von Reiner Knizia wird die grafisch hochkarätige Reihe eingängiger Kunstspiele um ein Kartenspiel mit Pop-Art-Motiven erweitert, während sich Frauen & Männer von Uwe Rosenberg an Freunde leichter Party-Ratespiele richtet.
Erste Wahl für Vielspieler ist Amazonas. Hier reisen wir im frühen 19. Jahrhundert als Forscher an den größten Strom der Welt, um neue Tierarten für unsere Heimatuniversität zu entdecken und Forschungscamps an bis dato unbekannten Orten aufzuschlagen. Dabei kann nur gewinnen, wer sein Budget nicht überstrapaziert und sich auf bestimmte Forschungsgebiete konzentriert. Von Stefan Dorra für 3 oder 4 Spieler ab 10 Jahren, ca. 30 €.
Wer bis jetzt überhaupt noch nicht gespielt hat, den soll Ubongo dazu bewegen. Hier passen wir wie in einem Logiktest unter Wettkampfbedingungen verschieden geformte Legeteile in eine vorgegebene Fläche ein. Das funktioniert immer, man muß bloß herausfinden wie. Von Grzegorz Reejchtman für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren, ca. 30 €.
Ebenfalls neu bei Kosmos: Petri Heil!, ein Angelspiel für Zwei von Michael Rieneck.
Die Liaison mit Amigo war nur von kurzer Dauer - ab sofort wird Phalanx Games von Kosmos vertrieben. Und nach der Neuheitenflut der vergangenen beiden Jahre beschränken sich die Niederländer für 2005 auf eine große Neuerscheinung: Go West ist für uns das Signal zur Eroberung des amerikanischen Westens. Dabei repräsentieren wir Landbesitzer, die aus dem Planwagentreck der Siedler ihren Nutzen ziehen wollen. Von Leo Colovini für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren.
Mit sieben Titeln und einem neuen, kompakten Schachtelformat trumpft Queen Games auf. In MacRobber von Ralf Burkert mißgönnen sich Highland-Clans ihr Land und ihre Rinder, weshalb wir die Familie unserer Wahl auf Raubzug gegen die Nachbarstämme schicken. Doch was wir an Ländereien, Burgen und Rindern erwerben, das müssen wir auch verteidigen können, sonst ist der Traum vom mächtigsten Clan-Häptling schnell ausgeträmt. Von Ralf Burkert für 3 bis 5 Spieler ab 8 Jahren, ca. 25 €.
Der Autor ist zwar Michael Schacht, aber Rattenscharf ist vor allem Hans-Jörg Brehms Grafik: Seinen verschlagenen Nagern ist es egal bei wem sie Beute machen, wenn wir unsere Gewürzkisten nach Sorten getrennt in der Lagerhalle zu stapeln versuchen. Von Michael Schacht für 2 Spieler ab 8 Jahren, ca. 15 €.
Der Rest in Kürze: Als dritte Erweiterung zu Der Palast von Alhambra bringt Die Stunde der Diebe nicht nur Langfinger ins Spiel, sondern in drei weiteren Varianten auch Mauern, Wechselgeld und fliegende Händler.
Friedemann Friese verlangt von uns beinahe die Quadratur des Kreises, wenn wir mit dem Turbo Taxi gleich zwei Fahrgäste ans Ziel befördern sollen. Denn wir müssen nicht nur die schnellste Route finden, sondern auch noch die Verkehrsregeln befolgen.
Eine Revolte in Rom gibt uns dagegen die Chance, in einem Machtkampf für zwei die Herrschaft am Tiber zu erringen. Stefan Feld ist es dabei zu danken, daß sich die Wahl der Waffen auf Würfel und Karten beschränkt.
Ein verzweigtes Labyrinth mit zahllosen Hindernissen führt uns zu geheimnisvollen Statuen. Werden wir Das Gold der Inka für uns gewinnen können? Harald Lieske läßt einen gefahrvollen Wettlauf durch uralte Tempel darüber entscheiden.
Und zum Schluß noch einmal Michael Schacht: In einem Architekton-ischen Wettstreit für Zwei brauchen wir guten Baugrund, passendes Material und eine Portion Kaltschnäuzigkeit, um den Gegner mit falschen Rohstoffen beim Bau zu behindern.
In bester Indiana-Jones-Manier interessiert uns im Inneren gefährlicher Dschungelhöhlen nur die Beute. Ein Diamant mehr oder weniger kann dabei schon den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage bedeuten, denn wer den Hals nicht voll bekommt, nimmt womöglich ein grausiges Ende. Da heißt es aufhören wenn's am schönsten ist. Von Bruno Faidutti und Alan R. Moon für 3 bis 8 Spieler ab 8 Jahren bei Schmidt, ca. 28 €.
Über Verflixxt war bei Ravensburger noch nicht viel zu erfahren, außer daß es von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling stammt und das Zeug zum Klassiker haben soll - warten wir's also ab. Etwas handfester sind da schon die Informationen zu Australia, wo uns das Erfolgsduo Kramer/Kiesling mit einem Doppeldecker durch den Outback schickt, damit wir als Ranger die Regionen des roten Kontinents erschließen.
Familienspiele
Der erste Eindruck trügt: König Salomons Schatzkammer ist nicht annähernd so eintönig, wie es die etwas nüchternen Kartonplättchenstapel befürchten lassen. Mit regeltechnischer Unterstützung durch die Venice Connection schickt uns Alessandro Saragosa unter der Flagge von Clementoni auf die Jagd nach vergessenen Reichtümern und Artefakten, die wir immer wieder auch dazu einsetzen müssen, uns einen Weg durch das verwirrend-vielschichtige Labyrinth zu bahnen. Von Alessandro Saragosa für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren, ca. 25 €.
Im Geisterwäldchen von Drei Magier Spiele erleben wir ein neues Abenteuer mit unseren magnetischen Freunden aus der Geistertreppe: Endlich haben wir einen Weg hinaus aus dem Spukschloß gefunden, doch dafür verfolgt uns jetzt ein anhängliches Gespenst durch den Wald. Von Michelle Schanen für 2 bis 4 Spieler ab 4 Jahren .
Im Gedenken an den 2004 verstorbenen Spiele-Altmeister Alex Randolph veranstalten Gute Freunde noch einmal eine turbulente Schatzsuche auf saftigen Seerosenblättern. In dieser Neuauflage des einfachen Würfelspiels aus dem Jahr 1989 tauchen wir mit kleinen, grünen Fröschen nach glitzerndem Gold. Von Alex Randolph für 2 bis 4 Spieler ab 4 Jahren, ca. 40 €.
Besen war gestern, heute sind Hexer und Hexen auf dem Zauber Stauber unterwegs. Dabei zeigt uns Kosmos, daß auch die Zauberstab-Technologie nicht frei von Tücken ist, denn vor dem Freiflug über das raster- und linienlose Spielfeld will zuerst einmal die Route programmiert werden. Da gerät man öfter mal ganz unfreiwillig auf Abwege. Von Heinrich Glumpler für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren, ca. 15 €.
Punkt Mitternacht macht sich Das kleine Gespenst mit uns auf den Weg, um hinter magnetisch sich öffnenden Türen im dunklen Schloß sechs Gegenstände aufzuspüren. Mißglückt uns das, versuchen wir mit einem Geschicklichkeitsspiel im Kartondeckel, als erster all unsere Kanonenkugeln loszuwerden. Von Kai Haferkamp für 2 bis 4 Spieler ab 5 Jahren, ca. 25 €.
Und für den kleinen Spielehunger zwischendurch gibt es bei KosmosPizza Flitzer, worin sich neun magnetische Pizzastücke als denkbar widerspenstig erweisen. Ein Merkspiel in besonders appetitlicher Optik. Von Gordon MacLeod für 2 bis 4 Spieler ab 4 Jahren, ca. 20 €.
Im ganz wörtlichen Sinn drohen wir dieses Jahr beim Zoch Verlag Schiffbruch zu erleiden: In Manila wollen vielerlei Güter auf dem Wasserweg befördert werden, doch über das Schicksal unserer Fracht entscheiden in erster Linie die Würfel. Franz-Benno Delonge für 3 bis 5 Spieler ab 10 Jahren, ca. 30 €.
Ganz ohne Hintergrundgeschichte kommt San Ta Si aus, denn in diesem abstrakten Kombinationsspiel kommt es nur darauf an, 24 Metallrohre ineinander verschwinden zu lassen. Von Jacques Zeimet für 2 Spieler ab 10 Jahren, ca. 30 €.
Abenteuerspiele & Wargames
Die einschlägigen Verlage für Abenteuerspiele beschränken sich in diesem Frühjahr fast ausnahmslos auf Ankündigungen; fast nichts war zur Spielwarenmesse fertig geworden:
Nach dem Verwirrspiel um die chronisch vergriffene Limited Edition sticht bei Fanpro ab Februar die Unlimited-Version der Pirates of the Spanish Main in See, denen etwas später die Pirates of the Crimson Coast folgen werden. Neben neuen Schiffstypen treten dabei mit Frankreich und den USA zwei weitere Nationen auf den Plan - ergänzt um eine handvoll Karten mit spezifisch deutschem Hintergrund, die es so in der US-Originalfassung nicht gibt.
Für Das Schwarze Auge wird schließlich nach langer Pause wieder ein Brettspiel erscheinen. Und Autor Lutz Stepponat soll dafür bürgen, daß es anspruchsvoller wird als seine Vorgänger.
Bis zum Sommer müssen Warhammer-Fans auf das Regelbuch für Fantasy-Kampagnen warten, mit dem zugleich der Startschuß für Games Workshops diesjährige Sommerkampagne in den Regenwäldern Lustrias fällt. Mit Regeldownloads von der Verlagswebsite können sich damit zum ersten Mal alle Völker der Warhammer-Welt im Dschungelkampf messen.
Pünktlich zu den Internationalen Spieletagen in Essen wird Die Minen von Moria erscheinen. Die Einsteigerbox zu "Der Herr der Ringe" ermöglicht wie Kampf um Macragge mit einem Minimum an Regeln den Blitzstart ins Tabletophobby. Ein Szenarioheft, ein weiterführendes Büchlein sowie Plastikhelden, -goblins und -ruinen (inklusive Balins Grab) liefern das Material dazu.
Bis es so weit ist, sorgt mit Die Befreiung des Auenlandes ein neuer Erweiterungsband zum Tolkien-Tabletopspiel dafür, daß die Wartezeit nicht zu lang und eine Handlungslücke aus dem Kinofilm geschlossen wird.