Schon gespielt: Die Herbstneuheiten von Kosmos
06.10.2003

Die Brücken von Shangrila

Unter den Neuerscheinungen ist Leo Colovinis Die Brücken von Shangrila für Vielspieler die erste Wahl (3-4 Spieler, 24,95 €, ca. 60 Minuten). Die Hintergrundgeschichte von der Wanderschaft weiser Mönche auf dem Dach der Welt dient dabei nur als thematischer Aufhänger für ein knallhartes Taktikspiel, in dem dreizehn durch Brücken verbundene Dörfer so mit verschiedenen Sorten von Spielsteinen beschickt werden müssen, dass am Ende eine Punktemehrheit herausspringt. Nach jeder Bewegung der Spielmarker auf ein Nachbarfeld bricht die überquerte Brücke zusammen; ist nur noch eine übrig, wird gewertet.

Aus einfachsten Regeln entsteht dabei ein tolles Spiel von einiger Tiefe, bei dem es heißt: alle gegen alle, jeder für sich selbst. Gelegentliche Zweckbündnisse verhindern jedoch, dass echte Agressionen aufkommen. Zudem richtet sich die Agressivität des Spiels nach dem Temperament der Spieler, die destruktiv gegeneinander oder konstruktiv auf die eigene Punktemaximierung hin spielen können. Ein Meisterwerk? Warum eigentlich nicht...

Anno 1503

Klaus Teubers Brettspieladaption des PC-Spiels (3-4 Spieler, 29,95 €, ca. 90 Minuten) hält sich zwar eng an die elektronische Vorlage, wird aber mit seiner organisierten Mangelwirtschaft ebenso den Siedler-Fans auf Anhieb vertraut sein. Auch dass ein Spieler meist hoffnungslos abgeschlagen auf dem letzten Platz landet, kennen wir schon von Catan.

Allerdings bleibt das schöne, konstruktive Spiel durch das Verbot, miteinander Rohstoffe zu tauschen, im Unterschied zu den Siedlern fast völlig interaktionslos. Abgesehen von der bedrückenden Stille am Spieltisch ist dadurch bei Anno 1503 so manche im Ansatz Erfolg versprechende Strategie zum Scheitern verurteilt - wie auch manche Sonderkarten des getesteten Vorserienmusters übermächtig erscheinen. Weitere Spieltests werden zeigen, ob auf lange Sicht der Spielreiz darunter leidet.

Rette sich wer kann!

Das ist doch mal eine einfache Aufgabe, die Rudi Hoffmann uns in Rette sich wer kann! da stellt (2 Spieler, 10 €, ca. 15 Minuten): Bringe deine Schwimmer und Krokodile, vorbei an den Schwimmern und Krokodilen deines Gegners, heil durch den Pool an die Bar. Als Strategie genügt dabei ein entschlossenes "Augen zu und durch", aber weil jedes Krododil eine andere Reichweite hat, darf auch ein bißchen taktiert werden.

Einzige Schwierigkeit: Wenn das letzte gegnerische Krokodil an Land geht, siegt nicht, wer bloß die meisten Gegner gefressen, sondern wer sie (im Magen) ins Trockene gebracht hat. Sehr niedlich.

Der Fluch des Pharao

Lässt das phantastische Deckelbild noch spannende Abenteuer in uralten Pharaonengräbern erwarten (3-4 Spieler, ca. 45 Minuten), erschöpft sich Martin Wallace' neues Spiel für das British Museum in einer langweiligen Katakomben-Hatz nach dem DungeonQuest-Prinzip.

Während sich die Spieler über zufällig gezogene Bodenplättchen von Schatzkammer zu Schatzkammer würfeln, müssen sie zwar den Nachstellungen der Gottheit Ammuth aus dem Weg gehen, doch ansonsten kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dasselbe alte Spiel vor sich zu haben - reduziert um die interessanten Rollenspielelemente.

Für den deutschen Markt wurden die Regeln der früher erscheinenden englischen Ausgabe zumindest dahingehend entschärft, dass ein vorzeitiges Ausscheiden nicht mehr möglich ist; stattdessen beginnt man wieder von vorn. Allerdings sorgt schon die Startaufstellung für ungleiche Erfolgsaussichten. Eine Würfelorgie ohne Charme und Eleganz.

Dracula

Bei Dracula von Michael Rieneck (2 Spieler, 14,95 €) handelt es sich dem stimmungsvollen Spielplan zum Trotz um ein Kartenspiel. In der Rolle des blutrünstigen Grafen oder des Vampirjägers van Helsing müssen dabei zwei Spieler aus den gegnerischen Begegnungskarten die "Opfer" herausfinden - eine Sache von Taktik und gutem Gedächtnis.

Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs - Spiel zum Film

Das eine noch, dann ist es vorbei: Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs - Spiel zum Film richtet sich als das letzte Spiel zur "Der Herr der Ringe"-Filmtrilogie (TM-Redaktion, ca. 25 €) mit geringer bis mittlerer Komplexität wieder an Filmfans, die sich nur gelegentlich an den Spieltisch verirren.

Durch Anklicken der Bilder gelangen Sie zur Großansicht. Fotos: © Kosmos 2003


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