Dresden hat gespielt Familienpädagogik auf spielerische Art
Fast 2.500 große und kleine Besucher fanden am zweiten Novemberwochenende den Weg in die Aula des Dresdener Benno-Gymnasiums, um zwei Tage lang nach Herzenslust zu spielen.
Für Gäste unter 1,40 Meter Körpergröße kostenlos, für die Großen zum symbolischen Preis von einem Euro, war „Dresden spielt!“ auch in der dritten Auflage ein regionaler Publikumsmagnet. Schon am Eingang stimmte ein verkleideter Pöppel auf ein Wochenende zum Spielen mit allen Sinnen ein.
Weniger als zehn Fußminuten von den historischen Sehenswürdigkeiten rund um die Dresdener Frauenkirche entfernt, warteten mehr als 300 verschiedene Spiele in mehr als 500 Exemplaren darauf, unter der sachkundigen Anleitung von rund 20 ehrenamtlichen Regel-Erklärern ausprobiert zu werden.
Auszuleihen waren die größtenteils von Verlagen gestifteten Spiele wie immer kostenlos, wobei nicht wenige Besucher unverstanden gebliebene eigene Spiele von zu Hause mitbrachten – in der begründeten Hoffnung, unter den vielen freiwilligen Helfern in den weinroten T-Shirts jemanden zu finden, der sie ihnen erklären konnte.
Mit dem Konzept, Eltern und Kinder unter sachkundiger Anleitung gemeinsam an den Spieltisch zu bringen, steht „Dresden spielt“ als Veranstaltung aber nicht im luftleeren Raum. Sie ist Teil einer ganzen Reihe von Spiele-Events, die Veranstalter „Family Games“ – ein Ableger des „Felsenweg-Instituts“ für familienpädagogische Projekte – vor allem in den westlichen und östlichen Teilen Deutschlands organisiert. Das dazu notwendige Geld und personal kommt von der „Karl Kübel Stiftung“, einer humanistisch orientierten Familienstiftung mit mehr als 100 festen Mitarbeitern.
Begleitet werden die regionalen Großereignisse von Projekten an örtlichen Schulen. So wurden im Rahmen der Aktion „Spiel in der Schule“ an mehreren Dresdener Schulen Spiele-AGs ins Leben gerufen. Bei diesem Ganztagsangebot für die 5. bis 7. Gymnasialklasse wird alle vierzehn Tage im Anschluß an den Unterricht für anderthalb Stunden gespielt, was das Zeug hält.
Im Mittelpunkt stehen dabei Spiele zur Schulung der Motorik. Frage- und Antwortspiele sowie Merkspiele sollen das Konzentrationsvermögen erhöhen. Annett Schröter (rechts im Bild), als Betreuerin an „Dresden spielt“ und an „Spiel in der Schule“ beteiligt, schildert Ihre Erfahrungen so: „Oft können Zehnjährige noch nicht einmal richtig Würfeln. Sie scheitern schon daran, mehrere Würfel gleichzeitig zu werfen. Damit können sie aber auch nicht richtig schreiben.“
Dennoch waren einzelne Lehrer zunächst skeptisch. Zu unrecht, findet Annett: „Es gibt für jedes Schulfach die passenden Spiele. Liebe Lehrer, kommt und schaut es euch an! Wir spielen den ganzen Stundenplan durch.“ Wer trotzdem das spielerische Großereignis bevorzugt, muß nun ein ganzes Jahr warten. „Dresden spielt“ erst wieder November 2007, auch dann wieder in der Aula des Benno-Gymnasiums.